In der dunklen Jahreszeit sind viele Hundeteams zur gleichen Zeit unterwegs: kurz vor der Arbeit, in der Mittagspause, nach Feierabend. Auf schmalen Trottoirs und Quartierwegen kommt es darum öfter zu Begegnungen mit anderen Hunden, und genau diese Momente sind an der Leine für viele der grösste Stressfaktor beim Spaziergang. Die gute Nachricht: Entspannte Begegnungen kann man üben. Mit Abstand, einem lockeren Umgang mit der Leine und gutem Timing bei der Belohnung wird aus dem angespannten Vorbeikommen mit der Zeit Routine.
Warum Begegnungen an der Leine oft schwierig sind
Ohne Leine regeln Hunde Begegnungen meist selber: Sie nähern sich im Bogen, weichen aus, schnüffeln kurz und gehen weiter. An der Leine geht das alles nicht. Dein Hund kann weder ausweichen noch den Abstand selber vergrössern, und die frontale Annäherung auf dem direkten Weg wirkt aus Hundesicht ziemlich unhöflich. Dazu kommt die Spannung, die durch die Leine läuft: Wird sie straff, spürt dein Hund sofort, dass du angespannt bist.
Die Folgen kennen viele Halterinnen und Halter: Fixieren, Bellen, in die Leine springen. Das heisst nicht, dass dein Hund böse ist. Meist steckt Frust oder Unsicherheit dahinter, und beides lässt sich mit Training gut beeinflussen. Unser Vico fand entgegenkommende Hunde früher je nach Tagesform hochspannend oder leicht unheimlich; heute geht er an den meisten einfach vorbei.
Abstand ist dein wichtigstes Werkzeug
Jeder Hund hat eine Distanz, ab der er einen anderen Hund zwar wahrnimmt, aber noch gelassen bleibt. Deine Aufgabe ist es, diese Distanz zu kennen und bei jeder Begegnung dafür zu sorgen, dass sie eingehalten wird. Je nach Hund sind das wenige Meter oder eine halbe Strassenbreite.
- Bogen laufen: Statt frontal am anderen Hund vorbei, weiche in einem leichten Bogen über den Wegrand oder eine Wiese aus. Das entspannt beide Seiten.
- Seite wechseln: Auf dem Trottoir die Strassenseite zu wechseln ist keine Flucht, sondern gutes Management.
- Sichtschutz nutzen: Ein parkiertes Auto, eine Hecke oder ein Baum zwischen den Hunden macht vielen Hunden das Vorbeigehen deutlich leichter.
- Nicht stehen bleiben: Geh zügig und ruhig weiter. Stehenbleiben und Zuschauen heizt die Spannung oft zusätzlich an.
Die Leine locker, du ruhig
Nimm die Leine bei einer Begegnung kurz, aber ohne Zug. Eine straffe Leine überträgt deine Anspannung direkt auf den Hund und nimmt ihm die letzte Bewegungsfreiheit. Atme ruhig weiter, sprich in normalem Ton mit deinem Hund und geh in deinem Tempo weiter. Dein Hund orientiert sich stärker an dir, als du denkst: Bist du gelassen, fällt es ihm leichter, es auch zu sein.
Leckerli im richtigen Moment
Leckerli sind bei Begegnungen dein bestes Trainingswerkzeug, wenn das Timing stimmt. Belohne deinen Hund, sobald er den anderen Hund bemerkt und sich danach wieder zu dir orientiert, und nicht erst, wenn er schon in der Leine hängt. So lernt er: Ein fremder Hund taucht auf, und bei dir gibt es etwas Gutes. Wie Markersignal und Timing genau funktionieren, liest du in unserem Ratgeber zum Belohnen beim Hundetraining.
Damit das klappt, müssen die Leckerli in Sekundenbruchteilen griffbereit sein. Ein Leckerlibeutel wie der SnackPack (CHF 17.95) sitzt mit dem Clip am Gürtel oder mit dem Karabiner an der Leine und lässt sich mit einer Hand öffnen. Praktisch sind kleine, feste Leckerli, die nicht krümeln und sich gut brechen lassen, zum Beispiel unsere knusprigen Süsskartoffel-Kokos-Leckerli (CHF 15.00), vegan und handgemacht in Lugano.
Was du bei Begegnungen besser vermeidest
- Kontakt an der Leine erzwingen: «Die wollen nur spielen» stimmt an der Leine selten. Lass Hunde nur schnüffeln, wenn beide Halter einverstanden sind und beide Hunde entspannt wirken.
- Schimpfen und Leinenruck: Beides verknüpft den fremden Hund mit etwas Unangenehmem und macht die nächste Begegnung schlimmer statt besser.
- Hochheben als Standardlösung: In einer Notsituation ist Hochnehmen bei kleinen Hunden in Ordnung, als Dauerlösung lernt dein Hund dabei aber nichts über entspanntes Vorbeigehen.
- Dauerfüttern aus Nervosität: Ein Leckerli-Regen ohne Bezug zum Verhalten beruhigt eher dich als den Hund. Belohne gezielt, nicht pauschal.
Wenn Begegnungen regelmässig eskalieren
Bellt und tobt dein Hund bei fast jeder Begegnung, obwohl du Abstand hältst, holt euch Unterstützung in einer Hundeschule oder bei einer Hundetrainerin, die mit Belohnung statt Strafe arbeitet. Trainingsstunden mit ruhigen, souveränen Partnerhunden bringen oft mehr als jede Theorie. Und wenn sich das Verhalten deines Hundes plötzlich ändert und er auf einmal gereizt auf Artgenossen reagiert, lohnt sich ein Besuch in der Tierarztpraxis: Auch Schmerzen können hinter solchen Veränderungen stecken.
Die passende Ausrüstung für entspannte Spaziergänge findest du in unserer Collection Hundehalsbänder, Leinen & Geschirr.
Häufige Fragen
Dürfen sich Hunde an der Leine begrüssen?
Besser nur als Ausnahme: Die Leinen schränken die Körpersprache ein und können sich verheddern. Wenn beide Halter einverstanden sind und beide Hunde locker wirken, reicht ein kurzes Schnüffeln von wenigen Sekunden, danach geht ihr freundlich weiter.
Was mache ich, wenn ein fremder Hund ohne Leine auf uns zurennt?
Bleib ruhig, nimm deinen Hund auf die vom fremden Hund abgewandte Seite und bitte die Halterin oder den Halter laut und deutlich, den Hund zurückzurufen. Oft hilft es, dem ankommenden Hund eine Handvoll Leckerli auf den Boden zu streuen: Die meisten bremsen ab und schnüffeln, und ihr gewinnt Zeit und Abstand.
Warum bellt mein Hund nur an der Leine und ohne Leine kaum?
Ohne Leine kann dein Hund ausweichen und den Abstand selber regeln, an der Leine ist ihm dieser Weg versperrt. Bellen und Nach-vorne-Gehen sind dann oft der Versuch, den anderen Hund auf Distanz zu halten. Genau darum helfen Abstand, Bogen laufen und gutes Timing bei der Belohnung am meisten.


